Die Gründung des Vereins

Vor mehr als 130 Jahren, am 14.9.1869 versammelte sich eine Festgesellschaft zur Gedächtnisfeier zum 100. Geburtstag Alexanders von Humboldt aus Anlass der Eröffnung des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Magdeburg. Der Festredner war Dr. Georg GERLAND, Lehrer am Kloster unser Lieben Frauen in Magdeburg.
An der Veranstaltung nahmen mehr als 200 Bürger der Stadt Magdeburg im Beisein des Oberbürgermeisters HASSELBACH im Bürgersaal des altstädtischen Rathauses teil.
In der Dezembersitzung wurde der Vorstand gewählt:

1. Vorsitzender: GRUSON
2. Vorsitzender: Dr. SCHREIBER
1. Schriftführer: PAULSIEK
2. Schriftführer: Stabsarzt Dr. ROSENTHAL
Kassierer: Bankier KOCH

 

Der Zweck

Der Zweck des Vereins bestand laut §1 des Statuts:
" ...naturwissenschaftliche Studien unter besonderer Berücksichtigung der lokalen Verhältnisse zu pflegen und in weiteren Kreisen zu beleben, für die in Magdeburg und Umgebung gemachten Beobachtungen aus den verschiedenen Gebieten der Naturwissenschaft einen Sammelpunkt zu bilden und durch diese Bestrebungen, so wie durch wissenschaftliche Beleuchtung der einschlägigen Praxis die kommerziellen und industriellen Interessen der Stadt und des Landes nach Kräften zu fördern. ..."

Vorträge

Die über den Verein organisierte Vortragstätigkeit wurde auch in der Zukunft beigehalten und zum 50 Jahrestag der Vereinsgründung 1919 konnte man auf die stolze Zahl von 580 gehaltenen Vorträgen verweisen. Referenten waren meistens die Vereinsmitglieder selber, aber auch bekannte Naturforscher jener Zeit hielten Vorträge in Magdeburg. Es gibt eine statistische Auswertung über die Fachgebiete, über die referiert wurde:
Zoologie 155, Physik 73, Chemie 57, Geologie 53, Botanik 37, Meteorologie 32, Erdkunde 32, Geschichte der Naturwissenschaften 30, Technik 25, Astronomie 21, Naturphilosophie 19, Mineralogie 14, Heilkunde 10, Gesundheitslehre 8, Naturdenkmale 7, Vorgeschichte 7.

Sammlungen

• Im Dezember 1869 wurde dem Verein die Mineraliensammlung Fabrikant MÄHNE geschenkt. Dies war der Beginn einer regen Sammeltätigkeit von Vereinsmitgliedern selber sowie die Entgegennahme weiterer Sammlungen
• man verfolgt bald den Wunsch, die Sammlungen der breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, Sammlungen die bis dahin bei den Vereinsmitgliedern zu Hause untergebracht waren.
• Das Ersuchen an die städtischen Behörden:
" ...für die schon nennenswerten naturwissenschaftlichen Sammlungen einen Raum in einem der städtischen Gebäude herrichten zu lassen und zur Verfügung zu stellen...";
wird durch die Stadtverordneten-Versammlung am 14. April 1874 positiv entschieden und ein Teil des Dachgeschosses im neuen städtischen Realgymnasiums (Brandenburgerstrasse 3a) = ein Saal und zwei Räume zur Verfügung gestellt. Der Umbaubeginn ist im Oktober 1874, es werden Oberlicht-Säle geschaffen.

Ausstellungen / Museen

• Im Sommer 1875 erfolgt der Ausstellungsaufbau unter maßgeblicher Beteiligung von Stadtrat ASSMANN und Vereinskonservator Dr. REIDEMEISTER
• Am 24.10.1875 wird das Museum eröffnet. Die Geburtsstunde des heutigen Museums für Naturkunde.
• Die Stadt unterstützt mit jährlich wachsenden Zuwendungen Verein und Museum: 1878 - 300 Mark, 1893 - 3000 Mark). Der Verein verpflichtet sich im Gegenzug das "...für den Fall der Vereinsauflösung, dass das Museum in das Eigentum der Stadt übergeht..."
• Nov. 1893 Eröffnung des städtischen Museums (Kunstsammlungen, städtische naturwissenschaftliche und prähistorische Sammlungen) am Domplatz 5 im Gebäude der ehemaligen Generalkommandantur. Das naturkundliche Museum des Vereins zieht mit um und erhält neue Räume, die eine bessere Unterbringung der Bestände ermöglichen.
• Am 1. April 1904 geht das Museum als Geschenk des Vereins in die Hände der Stadt über und wird zum "Naturwissenschaftliches Museum der Stadt Magdeburg"; ab 1905 "Museum für Natur- und Heimatkunde".

Bücherei

• Dritte Säule der Vereinsarbeit ­ Aufbau einer wissenschaftlichen Vereinsbücherei , Bibliothek: Tauschverkehr mit ca. 40 naturwissenschaftlichen Vereinen Deutschlands
• Bereits im Gründungsjahr, 1869, werden die, "Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins" herausgegeben. Zusätzlich erschienen von 1870-1876 "Abhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins" (7 Hefte). Jahresberichte konnten nicht in jedem Jahr herausgegeben werden. Ab 1886 bis 1907 erscheinen sie als "Jahresbericht und Abhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Magdeburg". Mit der Übernahme des Museums durch die Stadt werden die "Abhandlungen und Berichte - Museums für Natur- und Heimatkunde zu Magdeburg" herausgegeben
• Das Museum steht heute im Schriftentausch mit mehr als 230 Partner, davon 90 aus dem Ausland und verfügt über etwa 18.000 Bibliothekseinheiten, darunter ca. 6.000 Bücher und Monografien. Der Bestand wächst über Tausch und durch Ankäufe jährlich um etwa 550 Zeitschriften und Bücher.

Wiedergründung

Unmittelbar nach dem Krieg kam es zu keinen weiteren Vereinsaktivitäten. Am 10.2.1949 veröffentlichte die Deutsche Justizverwaltung der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland die Verordnung Nr.7 (Verordnung sowie Ausführungsbestimmungen zur Überführung von Volkskunstgruppen und volksbildenden Vereinen in die bestehenden demokratischen Massenorganisationen vom 12.01.1949). Dem Verein wurde damit per Gesetz die rechtliche Grundlage zur weiteren Existenz entzogen. Das neue Kapitel des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Magdeburg wurde mit der Wiedergründung am 14.09.2002, genau auf den Tag im 133 Jahr des Vereins an historischen Stätte, im Hanse-Saal des Magdeburger Rathauses aufgeschlagen. Es versammelten sich 30 Gründungsmitglieder.
Vorstand
1. Vorsitzender: Rolf RATHKE,
2. Vorsitzender Harald Müller,
Schatzmeister: Bernhard BALZER,
Beisitzer: Prof. Dr. Wulf POHLE,
Kassenprüfer: Fr. Wahl, Dr. Pellmann


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